Trombiculaphagus richtig anwenden – Raubmilben erfolgreich im Garten ausbringen

Trombiculaphagus richtig anwenden – Raubmilben erfolgreich im Garten ausbringen

Start in der Saison

Bevor die Raubmilben-Helden ihren Dienst tun können, lohnt sich ein kurzer Plan. Der richtige Zeitpunkt macht einen spürbaren Unterschied. Ideal ist es, früh in der Saison zu starten – kurz bevor die ersten Grasmilbenlarven schlüpfen. Das ist meist im Frühjahr. So verschaffen Sie den kleinen Räubern einen Vorsprung.

In Deutschland legen Grasmilben typischerweise im Frühsommer (Ende Mai / Anfang Juni) richtig los. Deshalb empfehlen wir, bereits im Mai die ersten Trombiculaphagus auszubringen. Aber auch wenn Sie erst später von der Lösung erfahren: Selbst im Sommer oder Herbst lohnt sich eine Ausbringung, um die aktuelle Plage einzudämmen. Erwarten Sie dann nur keine Wunder über Nacht, sondern sehen Sie es als Grundstock – und als beste Vorbereitung für die nächste Saison.

Hinweis: Lesen Sie dazu auch unseren Artikel zur akuten vs. präventiven Behandlung.

Ausbringungs-Menge und Fläche

Unsere Trombiculaphagus-Nützlinge werden in flächen-definierten Einheiten geliefert (z. B. kleiner, mittlerer, großer Garten). In der Packung befinden sich die Raubmilben in einem Trägermaterial aus Kleie und ggf. Vermiculite.

Die Dosierung richtet sich nach dem Befallsdruck. Bei akut starkem Befall empfiehlt sich zunächst eine kurative Phase: drei Wochen lang wird wöchentlich eine höhere Dosis ausgebracht (z. B. 100 Raubmilben pro m²), um die schiere Menge an Grasmilbenlarven zu bewältigen. Anschließend wechseln Sie in den Erhaltungsmodus mit etwa 50 Raubmilben pro m² alle zwei Wochen.

Großzügig zu dosieren ist grundsätzlich kein Fehler – je mehr Helfer, desto wahrscheinlicher ein schneller Erfolg. Trotzdem gilt ein wichtiger Grundsatz: Häufigkeit schlägt Menge. Regelmäßige, planvolle Ausbringung ist wirkungsvoller als ein einmaliges „Mehr hilft mehr“.

So wird’s gemacht – Schritt für Schritt

Optimaler Termin

Wählen Sie – soweit möglich – einen bewölkten, milden Tag oder bringen Sie die Raubmilben abends nach Sonnenuntergang aus. Pralle Sonne und große Hitze sind ungünstig, weil die Tiere beim Ausbringen austrocknen können, bevor sie in bodennahe Schichten ausweichen. Ein leicht feuchter Rasen (z. B. nach Regen oder nach dem Gießen) ist ideal.

Da der Tag im Alltag nicht immer „perfekt planbar“ ist, gilt als einfache Regel:

  • Bei Sonne: abends nach Sonnenuntergang ausbringen
  • Nicht vor erwartetem Starkregen
  • Leichter Niesel ist okay – Feuchtigkeit ist sogar hilfreich

Keine Chemie

Wenn zuvor Chemie eingesetzt wurde: Warten Sie idealerweise 1–2 Wochen und/oder bewässern Sie mehrfach kräftig, damit mögliche Rückstände möglichst aus der oberen Bodenschicht ausgespült werden. So geben Sie den Nützlingen faire Startbedingungen.

Rasen mähen

Mähen Sie den Rasen ein bis zwei Tage vorher auf normale Schnitthöhe – nicht super-kurz, damit der Boden nicht zusätzlich durch direkte Sonne aufgeheizt wird. Entfernen Sie übermäßiges Schnittgut oder Laub. Das hilft nebenbei, mögliche Larven aus der Oberfläche mitzunehmen – schützen Sie sich dabei vor Bissen (z. B. lange Kleidung, Socken, feste Schuhe).

Sie müssen nicht vertikutieren oder den Boden bearbeiten. Die Milben finden ihren Weg. Ein ordentlicher, aber nicht komplett kahler Rasen ist ideal.

Rasen bewässern

Variante A: Normaler Sommertag (bis 25 °C)

  • Situation: Optimaler Temperaturbereich (Ideal: 15–25 °C). Die Milben sind aktiv, fressen und arbeiten zuverlässig.
  • Vorbereitung (Vorabend): Den Rasen intensiv wässern, um Basisfeuchtigkeit im Boden aufzubauen.
  • Zeitpunkt der Ausbringung: Morgens oder (besser) abends – die pralle Mittagssonne vermeiden.
  • Zustand des Rasens: Die Halme sollten bei der Ausbringung oberflächlich abgetrocknet sein, damit das Streumaterial (Kleie/Vermiculit) nicht verklumpt.

Variante B: Heißer Sommertag (25 °C bis 30 °C und mehr)

  • Situation: Kritischer Bereich. Ab 30 °C nimmt die Aktivität ab, über 33 °C kann es für die Tiere gefährlich werden. Sie ziehen sich dann in kühlere, bodennahe Bereiche zurück.
  • Vorbereitung (Vorabend): Sehr intensiv wässern – der Boden sollte tiefgründig feucht sein, damit er wie eine „Klimaanlage von unten“ wirkt.
  • Zeitpunkt der Ausbringung: Ausschließlich spät abends, wenn die Temperaturen sinken. Niemals morgens oder tagsüber ausbringen.
  • Zusatz-Check: Ist der Rasen am Abend durch die Tageshitze „staubtrocken“, kurz vor dem Ausstreuen leicht benebeln (nicht durchnässen), um Verdunstungskälte zu erzeugen und die Haftung zu verbessern.
  • Nachsorge an Folgetagen: Bei anhaltender Hitze kann ein kurzer, feiner Sprühnebel (Syringing) in der Mittagshitze helfen, die Temperatur im Bestand kurzzeitig zu senken und die Luftfeuchtigkeit zu stabilisieren.

Ausbringung

Öffnen Sie die Packung mit den Raubmilben. Meist sieht man mit bloßem Auge nichts krabbeln, da die Tiere winzig sind – das ist normal. Streuen Sie das Trägermaterial gleichmäßig über die Flächen.

Konzentrieren Sie sich zwar besonders auf Bereiche, in denen häufig Stiche auftreten – aber: Behandeln Sie grundsätzlich sämtliche Grünflächen, denn Hotspots liegen oft nicht dort, wo man sie vermutet. Beziehen Sie deshalb auch Wegränder, Randbereiche, Beete, Sträucher und Übergänge ein.

Grenzen zu (möglicherweise) befallenen Nachbargrundstücken

Wenn angrenzende Flächen als Quelle infrage kommen: Ziehen Sie entlang der Grenze eine dünne, aber durchgehende Linie aus Trägermaterial. Die Raubmilben finden ihren Weg nach innen und außen und „säubern“ den Randbereich mit.

Nachbewässerung erst ab dem Folgetag

Je nach Wetter kann es sinnvoll sein, an den Tagen nach dem Ausbringen weiter leicht zu bewässern, damit Feuchtigkeit am Boden bleibt und die Tiere gut in bodennahe Schichten gelangen. Nutzen Sie keinen harten Strahl, sondern einen sanften Sprühregen. Bitte nicht übertreiben: Es sollten sich keine Pfützen bilden.

Bei starker Mittagshitze kann zusätzlich ein kurzer Sprühnebel (Syringing) helfen, die Temperatur im Bestand kurzzeitig zu senken und die Luftfeuchtigkeit zu halten.

Beregnungsanlagen

Wenn Sie eine automatische Bewässerung nutzen, bewässern Sie lieber häufiger und kurz als selten und lange. Stellen Sie die Anlage idealerweise auf einen feinen Sprühstrahl, damit die Fläche gleichmäßig feucht wird, ohne dass Pfützen entstehen oder das Trägermaterial weggespült wird. Bewässern Sie grundsätzlich morgens statt abends, damit der Rasen tagsüber abtrocknen kann – das reduziert das Risiko von Staunässe und Pilzbildung und ist für Wiese und Haustiere die bessere Lösung. Achten Sie insgesamt darauf, den Rasen nicht über längere Zeit „unter Wasser“ zu setzen, denn dauerhafte Nässe schadet dem Bodenleben und hilft weder dem Rasen noch den Nützlingen.

Ruhe bewahren

Nach der Ausbringung sieht man – ehrlich gesagt – erst einmal nichts. Das ist normal. Die Raubmilben verschwinden in bodennahen Schichten, man wird sie nicht „umherlaufen“ sehen. Geben Sie ihnen ein paar Tage, um sich am Boden zu verteilen und auf Jagd zu gehen.

Kontrolle und Wiederholungen

Beobachten Sie in den folgenden Wochen die Häufigkeit neuer Bisse. Viele Anwender merken schon nach ein paar Tagen: Es kommen gar keine oder deutlich weniger neue Bisse dazu. Trotzdem ist es ratsam, im Abstand von 1–2 Wochen erneut auszubringen, damit durchgehend genug Räuber vorhanden sind.

Die genaue Häufigkeit hängt vom tatsächlichen Befall und vom Zeitpunkt in der Saison ab (siehe akut oder präventiv). Gerade im ersten Jahr gilt: besser regelmäßiger nachlegen. Ab dem zweiten Jahr können Sie – wenn das erste Jahr erfolgreich war – direkt präventiv ab Frühjahr alle paar Wochen ausbringen, bevor es überhaupt wieder juckt.

Geduld haben – Lohn ernten

Die Kombination aus kurativem Eingreifen (bei Befall im Sommer einsetzen) und präventivem Vorgehen ab dem Folgejahr führt laut Erfahrungswerten dazu, dass die Grasmilbenpopulation dramatisch schrumpft. Oft berichten Gartenbesitzer schon im ersten Sommer von deutlich weniger oder sogar gar keinen Bissen mehr. Im zweiten Jahr wird es dann umso entspannter und spätestens ab dem dritten Jahr kann man meist von einem komplett stichfreien Garten sprechen – vorausgesetzt, man bleibt konsequent.

Nach der vierten Anwendungssaison ist in vielen Fällen keine Behandlung mehr notwendig. Man könnte fast sagen: Der Naturgarten ist wiederhergestellt. Das ist ideal – und zeigt, dass dieser biologische Ansatz wirklich nachhaltig sein kann.

Hinweis zur parallelen Nutzung von Chemie

Während der ganzen Anwendung bitte auf Chemie verzichten. Insektizide oder auch pilzabtötende Mittel könnten die Nützlinge schädigen – das wäre kontraproduktiv. Ansonsten ist keine besondere Vorsicht nötig: Dünger und Kalk sind unerheblich und die Familie kann den Rasen wie gewohnt nutzen, die Hunde können darauf spielen – unsere kleinen Helferlein stören das nicht.

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