Chemische Mittel gegen Grasmilben – Warum Sprays & Gifte keine Dauerlösung sind
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Der Griff zur Chemiekeule: Wenn der Juckreiz zur Verzweiflung treibt, liegt der Gedanke nahe: „Da muss ein starkes Insektengift her, sonst werde ich diese Biester nie los.“ Tatsächlich gibt es im Handel einige Pestizide, die explizit gegen Grasmilben ausgelobt werden. Häufig sind das Akarizide (Milben-Gifte) oder Insektizide mit breitem Wirkungsspektrum, etwa auf Basis von Permethrin oder anderen Pyrethroiden. Ein Beispiel ist das Produkt „Zecken- & Grasmilbenkonzentrat“ von Neudorff, das gerne in Gartenmärkten empfohlen wird. Solche Mittel werden als Konzentrat mit Wasser gemischt und dann großflächig über den Rasen gespritzt. Anfangs scheint das oft zu wirken: Die vorhandenen Larven werden abgetötet, und man hat ein paar Tage Ruhe – doch leider trügt die Ruhe. Warum?
Kurzfristiger Effekt erklärt: Grasmilben leben zum großen Teil im Boden. Nur die Larven kommen an die Oberfläche, und das auch noch in Schüben (wenn z.B. gerade ein neues „Nest“ schlüpft). Ein chemisches Spray erreicht hauptsächlich die Larven, die genau zum Sprühzeitpunkt aktiv auf Grashalmen sitzen. Viele werden dabei abgetötet – das erklärt, warum manche Anwender berichten, dass nach der Behandlung zunächst keine neuen Stiche auftraten. Allerdings hält dieser Effekt meist nur kurz an. Schon nach Tagen schlüpft die nächste Generation Larven aus dem Boden nach. Da die Gifte nur kurz wirksam sind (sie werden durch UV-Licht, Regen etc. abgebaut), findet die neue Larvenwelle wieder ideale Bedingungen vor. Außerdem können jederzeit Larven von angrenzenden Flächen (Nachbarsgarten, Feldrand) zuwandern. Man müsste also ständig nachsprühen, um die Grasmilbenpopulation kleinzuhalten – ein Teufelskreis, den kaum jemand
durchhält (und der auch nicht ratsam ist).
Nebenwirkungen für Umwelt und Ihre Gesundheit: Chemische Insektizide unterscheiden nicht zwischen „gut“ und „böse“. Die im Rasen ausgebrachten Mittel treffen auch Nützlinge im Boden: Regenwürmer, Käferlarven, andere Milbenarten, die eigentlich hilfreich sind. Besonders problematisch: Die natürlichen Feinde der Grasmilben werden von unspezifischen Giften genauso erwischt. Man schwächt also auf lange Sicht die Selbstregulation im Garten, indem man auch diejenigen tötet, die einem eigentlich helfen könnten. Zudem sind Rückstände von Pestiziden im Garten für Menschen und Haustiere nicht unbedenklich. Wer will schon seine Kinder im mit Insektiziden behandelten Gras spielen lassen? Hersteller geben zwar Wartezeiten an (z.B. einige Tage bis zum nächsten Betreten), aber gerade Hunde und Katzen, die dicht über dem Boden schnüffeln, nehmen
mögliche Rückstände leicht auf. Einige Wirkstoffe, wie Permethrin, sind für Katzen sogar hochtoxisch. Ganz abgesehen davon stehen Pyrethroide im Verdacht, langfristig Insektenpopulationen (z.B. auch Bienen) zu schädigen, wenn sie ins Ökosystem gelangen.
Hoher Aufwand, fraglicher Nutzen: Die chemische Keule ist meist mit Kosten und Aufwand
verbunden – Spritzmittel sind nicht billig, Schutzausrüstung wie Handschuhe und Maske sind beim Ausbringen Pflicht, und man muss sehr gründlich und gleichmäßig spritzen, um alle Hotspots zu erwischen. Manche Gartenbesitzer versuchen es auch mit Bodengift wie Kalkstickstoff-Dünger in hoher Konzentration, der im Boden schädliche Stickstoff-Verbindungen freisetzt. Das kann tatsächlich Bodentiere dezimieren und wurde früher als „Geheimtipp“ gegen Grasmilben gehandelt. Doch auch hier: Man schädigt das Bodenleben und erreicht nie alle Milben (tiefer im Boden überleben gerade die adulten Tiere quasi immer). Die Wissenschaft bestätigt, dass eine Bekämpfung der im Boden lebenden Milben äußerst schwierig und „nach Umweltgegebenheiten aussichtslos“ ist. Heißes Wasser in den Boden zu gießen wäre theoretisch wirksam, aber um ein Nest abzutöten, müsste man z.B. 10–20 Minuten lang >60 °C heißes Wasser 40 cm tief in den Boden bringen – praktisch unmöglich im Gartenmaßstab.
Fazit: Keine Dauerlösung. Viele, die zunächst zu Chemie gegriffen haben, erleben genau das: Nach anfänglicher Besserung sind die Grasmilben nach kurzer Zeit zurück – und man steht wieder am Anfang. Dazu das ungute Gefühl, der eigenen Familie und Natur Schadstoffe zugemutet zu haben. Die Chemiekeule bekämpft Symptome (die aktuellen Larven), aber nicht nachhaltig die Ursache. Deshalb raten inzwischen auch viele Fachleute davon ab, wahllos Pestizide gegen Grasmilben einzusetzen. Es ist Zeit, einen anderen Ansatz zu wählen – einen, der langfristig wirkt und im Einklang mit der Natur steht. In unseren Beiträgen erfahren Sie, welcher das ist.